Die Canterbury Tales


Die "Canterbury Tales" (oder die Canterbury Geschichten) sind das berühmteste Werk des englischen Dichters Geoffrey Chaucer (geb. ca. 1340 - gest. 1400). Verfasst in Vers- und Prosaform beschreibt Chaucer die Reise einer bunt gemischten dreissigköpfigen Pilgergruppe von London nach Canterbury zum Schrein des Heiligen Thomas Becket.

Die einzelnen Tales sind eingebettet in eine Rahmenhandlung: Auf dem Weg zur Pilgerstätte erzählen sich die Pilger als Teil eines Wettbewerbs Geschichten.

Da diese Geschichten einiges über den jeweiligen Erzähler verraten, entsteht so ein lebhaftes Portrait der spätmittelalterlichen englischen Gesellschaft.


Die Canterbury Tales und ihr Reichtum erzählerischen Schaffens


Die literaturhistorische Bedeutung der "Canterbury Tales" liegt in den von Chaucer in die Erzählung eingewobenen, unheimlich lebendigen und treffenden Charakterstudien der Mitreisenden. Bei Chaucer sind viele Angehörige verschiedener spätmittelalterlicher Stände vertreten: Adlige, Ritter, Mönche und Ablassprediger, Vertreter des aufstrebenden städtischen Bürgertums, Gutsbesitzer, Handwerker, eine Frau aus Bath, ein Jurist, ja sogar ein Müller. Sie alle werden vom Dichter/Erzähler (der selbst Teil der Pilgerschar ist) auf sympathische und authentische Art und Weise in ihren Stärken, Schwächen und Marotten skizziert.

Darüberhinaus sind es auch die Charaktere selbst, die in den "Brücken" ("links") zwischen den einzelnen Erzählungen ihre eigenen Angewohnheiten (und die der Mitreisenden...) augenzwinkernd reflektieren. Wichtig daneben sind natürlich auch die in den Tales behandelten, für die damalige Zeit so wichtigen Themen wie Gerechtigkeit, Liebe, ein gottgefälliges Leben und - last but not least - "sovereynetee as wel over hir housbond as hir love", also die Dominanz des weiblichen Geschlechts in der Ehe (Wife of Bath's Tale Prologue and Tale).

Die Canterbury Tales - auch heute noch lesenswert


Stilistisch gesehen sind die "Canterbury Tales" ein Höhepunkt schriftstellerischen Schaffens und bieten eine Vielfalt verschiedener literarischer Gattungen, von der philosophischen Romanze des Ritters (The Knight's Tale) über das religiöse Exemplum des Ablasspredigers (The Pardoner's Tale) bis hin zum heftig-derben Fabliaux des angeheiterten Müllers (The Miller's Tale).

Das Werk Chaucers empfiehlt sich somit auch nach mehr als 6 Jahrhunderten als erfrischende Lektüre, nicht nur für Studenten der Anglistik und Freunde des Mittelenglischen. Geoffrey Chaucer schuf mit seinen "Canterbury Tales" ein stilistisch innovatives Werk mit einer höchst originellen Geschichte und humorvoll individualisierten Charakteren.